Matthäus berichtet von zwei Tieren—einer Eselin und einem Fohlen—während Markus und Lukas nur vom Fohlen sprechen. Dies basiert auf Sacharja 9,9:
„Freue dich sehr, Tochter Zion; jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir, gerecht und Heil bringend, demütig und reitend auf einem Esel, ja auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin.”
Johannes trägt durch sein explizites Schriftzitat eine weitere Dimension hinzu, die das Gesamtbild vervollständigt.
Johannes 12,14-15 zitiert Sacharja 9,9 und verankert damit das Ereignis in der alttestamentlichen Prophezeiung. Durch dieses Zitat führt Johannes die Autorität des AT an und zeigt, dass Jesu Einzug nicht zufällig, sondern in erfüllter Absicht geschah. Das Zitat selbst—“Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein König kommt, sitzend auf einem Eselfohlen”—unterstreicht die messianische Dimension des Ereignisses.
Alle vier Evangelisten tragen somit zusammen ein kohärentes Bild:
Matthäus dokumentiert die Materialität: beide Tiere, beide mit Kleidern, Jesus auf den Kleidern des Jungtiers
Markus und Lukas konzentrieren sich auf das Reittier selbst—das Fohlen
Johannes liefert die theologische Legitimation durch das AT-Zitat und macht deutlich, dass dies die Erfüllung der messianischen Verheißung ist
Johannes verbindet dabei das Ereignis direkt mit Genesis 49,10—“Nicht weichen wird das Zepter von Juda, noch der Herrscherstab zwischen seinen Füßen hinweg, bis Schilo kommt”—und zeigt, dass der kommende König aus Juda auf einem Esel reitet, nicht auf einem Kriegspferd. Dies unterstreicht die Art seiner Herrschaft: nicht kriegerisch, sondern demütig und friedvoll.
Die vier Evangelien bilden also keine Widersprüche, sondern ein mehrdimensionales Zeugnis: Material (Matthäus), Handlung (Markus/Lukas) und theologische Autorität (Johannes).
Das Pluralpronomen αὐτῶν in Mt 21,7 („legten ihre Kleider auf sie”) ist grammatikalisch lokativ und bezieht sich auf beide Tiere. Dies ist kein Widerspruch zwischen den Evangelien, sondern eine unterschiedliche Fokussierung:
Matthäus dokumentiert, worauf die Kleider gelegt wurden—auf beide Tiere—und worauf sich Jesus setzte—auf die Kleider, die auf dem Jungtier lagen.
Die Szene ist also kohärent: Nach Ri 10,4 und 12,14 konnte man auf einem kräftigen Esels-Füllen reiten—gemeint ist ein junger, männlicher Esel. Die Jünger legten Kleider auf beide Tiere zur Ehrung, doch Jesus setzte sich auf die Kleider, die auf dem Jungtier lagen, auf dem er ritt. Dies ist keine Inkonsistenz der Evangelien, sondern unterschiedliche Detailgenauigkeit in der Beschreibung desselben Ereignisses.
Die hebräischen Lexika bestätigen dies präzise. Das Wort עַיִר (ʿajir) bedeutet “Füllen, Eselfüllen”
Die Jünger legten ihre Kleider als Vorbereitung auf die Tiere (Mt 21,7), doch Jesus nahm diese Ehrung aktiv an, indem er sich selbst aufsetzte. Dies war eine bewusste Annahme seiner messianischen Rolle.
Genesis 49,10: „Das Zepter wird nicht von Juda weichen, noch der Herrscherstab zwischen seinen Füßen weg, bis dass der Schilo kommt.”
Sacharja 9,9-10 konkretisiert diese Prophezeiung eschatologisch. Jesus erfüllt diese Verheißung als der ultimative König aus Juda—durch Joseph, seinen irdischen Vater aus diesem Stamm.
Maria gehörte zum Stamm Levi, Joseph aber zu Juda. Dies ermöglichte eine theologisch konsistente Lösung: Während Maria priesterlicher Abstammung war, sicherte Josephs rechtliche Adoption Jesu die messianische Zugehörigkeit zu Juda und damit die Erfüllung der Davidverheißungen (2. Samuel 7,12-16; Psalm 89,4).
Quelle: Hans Weder, „Ἐλισάβετ“, in Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament, hg. von Horst Balz und Gerhard Schneider (Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer, 2011), 1060.
Maria war die Leihmutter, nicht die biologische Mutter Jesu. Der Herr Jesus ist der Mensch vom Himmel. Dies ist theologisch entscheidend für die Gültigkeit seines Opfers.
Römer 5,12: „Darum, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben.”
Hätte Maria Jesus biologisch geboren, wäre er vom Staub—vom gefallenen Adam abstammend. Diese Abstammung hätte das Opfer Jesu für Gott untauglich gemacht.
1. Korinther 15,47: „Der erste Mensch ist von der Erde, irdisch; der zweite Mensch ist vom Himmel.”
Hebräer 7,26: „Denn einen solchen Hohenpriester brauchten wir, der heilig, unschuldig, unbefleckt, von den Sündern abgesondert und höher als die Himmel ist.”
Josephs judäische Abstammung sicherte Jesu rechtliche Zugehörigkeit zum Stamm Juda und erfüllte damit die messianischen Verheißungen (Genesis 49,10; 2. Samuel 7,12-16), während Marias Rolle als Leihmutter gewährleistete, dass Jesus in seiner Menschheit völlig sündlos und daher ein vollkommenes Opfer blieb.
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