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Die Heilung der Blinden und Lahmen im Tempel – eine messianische Umkehrung

Die Jebusiter verspotteten David mit der Aussage, dass selbst Blinde und Lahme die Stadt gegen ihn verteidigen könnten. Dies war keine theologische Aussage, sondern eine militärische Provokation: Die über tausend Jahre alte Jebusiterstadt galt als uneinnehmbare Festung. David bewies ihnen das Gegenteil und nahm die Burg Zion ein.

3. Mose 21,18: „Denn kein Mann, an dem ein Gebrechen ist, soll herzunahen: ein Blinder oder ein Lahmer ...“

2. Samuel 5,6–8 berichtet von Davids Urteil über sie, dass er sagte:

„Ein Blinder und ein Lahmer soll nicht ins Haus kommen.“

Doch genau diese alte Ausschließung kehrt Jesus um. Nachdem Jesus diese bösen Menschen fortgetrieben hatte, wandte er sich gerade denen in Barmherzigkeit zu, die sonst ausgeschlossen worden wären. Der große Sohn Davids betritt Zion und kehrt die Handlungsweise Davids um. Jene Art von Leuten, „die der Seele Davids verhasst“ waren, fanden Liebe und Segnung an jenem Tag.

Der Kontrast ist entscheidend: Die Geldwechsler hatten von Gott, dem das Haus gehörte, ein falsches Bild vermittelt und Menschen dazu gebracht, seinen Namen zu lästern. Indem Jesus die Notleidenden heilte, offenbarte er ihnen das Herz Gottes, und Lobpreis war die Folge.

Matthäus erwähnt Blinde und Lahme und will damit zeigen, dass sich bei Jesus die messianischen Weissagungen des Alten Testaments erfüllen.

Matthäus 21,14: „Und es kamen Blinde und Lahme zu ihm in den Tempel, und er heilte sie.“

Jesus ist immer noch der barmherzige Messias. Der triumphale Einzug und die Austreibung haben weder seine Ziele noch sein Wesen verändert.

Dies signalisiert den Beginn einer neuen Ära: In Jesus lädt Gott alle in seine rettende Gegenwart ein. Die alte Ordnung, die aus Davids Verachtung stammte, wird durch Gottes Barmherzigkeit ersetzt.

1 Frank Binford Hole, Grundzüge des Neuen Testaments, übers. von Walter Mücher (Hückeswagen: Christliche Schriftenverbreitung, 1989), 120.
2 Gerhard Maier, Das Evangelium des Matthäus: Kapitel 15–28, hg. von Gerhard Maier u. a., Historisch-Theologische Auslegung Neues Testament (Witten; Giessen: SCM R. Brockhaus; Brunnen Verlag, 2017), 257.

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