Bibelbetrachtungen/Heb. in 53 Tagen/36. Tag Gen 12,1-9

Hebräisch in 53 Tagen

Nach Ägypten

Inhalt

Tag 36 von 53 Tagen, vom 13. April bis 15. Juni 2024, Gen 12,1-9

Joh 10,27f
Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren ewiglich, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben.

Hebr 11,8
Durch Glauben war Abraham, als er gerufen wurde, gehorsam, auszuziehen an den Ort, den er zum Erbteil empfangen sollte; und er zog aus, ohne zu wissen, wohin er komme.

Wir haben das ganze Wort Gottes

In 1. Kor 10, 1-14 zeigt uns Paulus Ermahnungen aus der Geschichte Israels, als sie ins verheißene Land zogen. So wie diese Ereignisse Warnungen an uns enthalten, so auch alle anderen Erzählungen. Alles ist zu unserer Belehrung geschrieben (Römer 15,4). Paulus meint damit vor allem die Bibel, die er damals hatte und die wir heute das Alte Testament nennen. Dieser Teil ist nicht alt, sondern wir lesen vielmehr von Glaubenshelden, - Vätern, wie Abram u. v. a. Diese lebten alle einmal und ihre Geschichten sind auch so geschehen, wie wir es lesen. Zum Glück gab es durch Mose eine, sagen wir mal, redaktionelle Bearbeitung, die uns u. a. viel über Ortschaften mitteilt. Diese Anpassungen sind aber durch Gott autorisiert. Später ist es Paulus, der uns vieles erklärt. Wenn nun im Abschnitt von Gen 12 von einem „Seher-Baum“ geschrieben wird, so können wir mithilfe des Geschlechtsverzeichnisses feststellen, dass ein solcher Baum nicht viel älter als 367 Jahre sein konnte. Nehmen wir an, es handelte sich um eine Eiche, so wäre diese in der heutigen Zeit in der Mitte ihres Lebens. Es ist zu beachten, dass die Menschen kurz nach der Sintflut noch viel älter wurden. Jakob hat dem Pharao mit 130 Jahren gesagt, dass sein Alter nicht so hoch wie das seiner Väter wäre (Gen 47,9). Diese Aussage ist mit den Altersangaben übereinstimmend, die wir in Gen 11 lesen und errechnen können. Es ist möglich, dass diese Alters- bzw. Lebenserwartung auch auf Tiere und Pflanzen übertragen werden kann. Es wird damit deutlich, dass ein solcher Baum so kurz nach der Sintflut nichts Besonderes war. Daher darf die Annahme gemacht werden, dass dieser Ort des Baumes erst mit Abrams Begegnung mit Namen benannt und bedeutsam wurde. Diese Erscheinung Jahwes (Epiphanie Gottes) war niemand anderes als unser Herr Jesus. An anderen Stellen, in denen auch eine solche Begegnung gemacht wurde, ist vom Engel Gottes die Rede. Die Verheißungen, die Abram erhielt, waren u. a., dass er ein Segen sei (Gen 12,3). Gott wird segnen, wer Abram segnet und wer ihm flucht, der wird von Gott verflucht. Wir sehen das an zwei Stellen besonders gut. Einmal, als Abram bis nach Ägypten zieht, und ein anderes Mal bei Abimelech. Doch an beiden Orten sollte Abram nicht sein. Zusätzlich hat er Sara, seine Frau, beauftragt, dort nicht die ganze Wahrheit zu sagen. Dies hätte in beiden Fällen beinahe dazu geführt, dass der Fluch Gottes auf die Herrscher und die Bevölkerung gekommen wäre. Dieser Teil der Verheißung traf zur Lebzeiten Abrams ein. Doch dass aus Abram eine große Nation werden wird, das erfüllte sich nicht zur Zeit Abrams.

Noch etwas anderes, das wir aus Geschlechtsregistern herauslesen können:
Tarah, der Vater Abrams, blieb in Haran. Er wurde so alt, dass er Abrams Sohn Isaak in den Armen hätte halten können. Als nämlich Tarah starb, war Isaak 35 Jahre alt. Das zeigt uns ein weiteres Mal, dass Abram vom Vater wegziehen musste. Haran war zu dieser Zeit auch eine Ortschaft mit vielen Annehmlichkeiten. Dass Tarah so viele Jahre in Haran zugebracht hat, zeigt uns seine Sesshaftigkeit, im Gegensatz zum späteren Leben von Abram, der das versprochene Land 100 Jahre durchzog und im Zelt wohnte.

Einige Gedanken zum Wort „Zelt“ (אהלה):
Die bestanden aus Tüchern, Seilen und Pflöcken und wurden ausgespannt (נטה). Gott hat die Himmel ausgespannt (Jer 40,22;Ps 104,2, vgl. Jes 42,5; 44,24; 45,12; 51,13; Jer 10,12; 51,15; Sach 12,1; Hi 9,8). Das wird mit einem Zelt verglichen, in dem gewohnt wird. Abram hat über eine lange Zeit immer wieder sein Zelt abgespannt und zusammengerollt, um es an einem anderen Ort zu errichten. So wird es auch mit dieser Erde und mit dem Universum geschehen. Es wird wie ein Gewand zusammengerollt, oder so wie einst Abram sein Zelt zusammen rollte, vgl. Heb 1,10-12. Doch die Elemente dieser Schöpfung werden nicht mehr weiter verwendet wie ein Gewand oder Zelt, sondern vergehen im Brand mit einem lauten Geräusch (2Pet 3,10-13).

Die Himmelsrichtungen und Abrams Weg:
Abram zieht von Haran in Richtung Kanaan. Im verheißenen Land angekommen, ist der Bezugsort oder die Bezugsstelle das Land, das Abram verheißen war und Josua einnahm. Wichtig ist für uns heute, dass dieses Land nicht Israel oder auch sonst niemandem gehört. Das Land gehört nämlich Gott allein und der Herr Jesus wird es einmal in seinen Besitz nehmen (Sach 2,14ff; Joel 3,2f). Vgl. Lev 25,23; Ps 24,1; 50,12; 89,11. Die Bibel orientiert sich also vom Standort Israel aus in Richtung des Ostens. So ist vorn der Osten (קדם), der Morgen. Hinten ist der Westen (ים), das Meer, der Abend. Links ist der Norden (צפון), da befindet sich Haran, von dort zog Abram weg. Rechts ist der Süden (נגב), dort ist Ägypten (מִצְרַיִם). Dieses steht für die Welt, die aus eigener Kraft bestehen will. So wie das Land, das durch Kanäle bewässert wird. Damit sind die Menschen nicht direkt vom Segen des Regens abhängig. Dorthin zieht Abram in der Hungersnot. Doch zuvor lagerte er zwischen Bethel, das ihm gegen den Abend, und Ai, das ihm gegen den Morgen lag. Dort baute er dem Jahwe einst einen Altar und rief den Namen Jahwe an. Von diesem Ort der Anbetung entfernte sich Abram immer ein Stück weiter. Ob die Hungersnot ein Signal von Gott an Abram war, nicht weiterzugehen? Einige Zeit zuvor hatte Gott nämlich durch eine Epiphanie direkt mit ihm gesprochen. Doch wenn Gott heute mit uns spricht, dann durch sein geschriebenes Wort. Durch solche Erzählungen, die stets das schonungslos erzählen, was die Protagonisten erlebten, erfahren wir Zurechtweisung, Belehrungen, Aufmunterung etc. so wie das uns in 2. Tim 3,16f auch aufgezeigt wird. Es ist also wichtig, dass wir fleißig im sog. Alten Testament lesen, und so manches wird uns auch im Neuen Testament darüber erklärt.

Zurück zum Thema Anbetung:
Es ist schade, wenn wir den Ort der Anbetung verlassen. Aber wenn wir uns allmählich entfernen wie Abram, kann es sein, dass wir wie Abram durch eine Not darauf hingewiesen werden. Und so wie Abram immer tiefer in die Not kam, weil er nicht von seinem falschen Weg umkehrte, so kann es auch uns passieren. Bei Abram dauerte es einige Jahre, bis er wieder direkt mit Gott sprechen konnte. Vgl. Hes 14,21.

Hebräischer Text vokalisiert

Der Text basiert auf der Biblia Hebraica Stuttgartensia

Gen 12,1-9
1 וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־אַבְרָם לֶךְ־לְךָ מֵאַרְצְךָ וּמִמֹּולַדְתְּךָ וּמִבֵּית אָבִיךָ אֶל־הָאָרֶץ אֲשֶׁר אַרְאֶךָּ׃
2 וְאֶעֶשְׂךָ לְגֹוי גָּדֹול וַאֲבָרֶכְךָ וַאֲגַדְּלָה שְׁמֶךָ וֶהְיֵה בְּרָכָה׃
3 וַאֲבָרֲכָה מְבָרְכֶיךָ וּמְקַלֶּלְךָ אָאֹר וְנִבְרְכוּ בְךָ כֹּל מִשְׁפְּחֹת הָאֲדָמָה׃
4 וַיֵּלֶךְ אַבְרָם כַּאֲשֶׁר דִּבֶּר אֵלָיו יְהוָה וַיֵּלֶךְ אִתֹּו לֹוט וְאַבְרָם בֶּן־חָמֵשׁ שָׁנִים וְשִׁבְעִים שָׁנָה בְּצֵאתֹו מֵחָרָן׃
5 וַיִּקַּח אַבְרָם אֶת־שָׂרַי אִשְׁתֹּו וְאֶת־לֹוט בֶּן־אָחִיו וְאֶת־כָּל־רְכוּשָׁם אֲשֶׁר רָכָשׁוּ וְאֶת־הַנֶּפֶשׁ אֲשֶׁר־עָשׂוּ בְחָרָן וַיֵּצְאוּ לָלֶכֶת אַרְצָה כְּנַעַן וַיָּבֹאוּ אַרְצָה כְּנָעַן׃
6 וַיַּעֲבֹר אַבְרָם בָּאָרֶץ עַד מְקֹום שְׁכֶם עַד אֵלֹון מֹורֶה וְהַכְּנַעֲנִי אָז בָּאָרֶץ׃ 7 וַיֵּרָא יְהוָה אֶל־אַבְרָם וַיֹּאמֶר לְזַרְעֲךָ אֶתֵּן אֶת־הָאָרֶץ הַזֹּאת וַיִּבֶן שָׁם מִזְבֵּחַ לַיהוָה הַנִּרְאֶה אֵלָיו׃
8 וַיַּעְתֵּק מִשָּׁם הָהָרָה מִקֶּדֶם לְבֵית־אֵל וַיֵּט אָהֳלֹה בֵּית־אֵל מִיָּם וְהָעַי מִקֶּדֶם וַיִּבֶן־שָׁם מִזְבֵּחַ לַיהוָה וַיִּקְרָא בְּשֵׁם יְהוָה׃
9 וַיִּסַּע אַבְרָם הָלֹוךְ וְנָסֹועַ הַנֶּגְבָּה׃ פ

Hebräische Tonaufnahme

Tonaufnahme von Tilman Janzarik vorgelesen (http://janzarik.de):

1
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3
4
5
6
7
8
9
10ff

Mögliche Übersetzung

1 Und Jahwe sprach zu Abram: Geh jetzt1, ziehe von deiner Verwandtschaft und vom Hause deiner Väter in das Land, das ich dir ersehe2!
2 Und ich werde dich machen zu einem großen Volk und ich werde dich segnen und deinen Namen groß machen und du sollst ein Segen werden.
3 Und ich will segnen, die dich segnen, und ich will verfluchen, die dich verfluchen, aber in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.
4 Da ging Abram, sowie Gott, Jahwe geboten hatte, und mit ihm ging Lot; und Abram war 75 Jahre alt3, als er von Haran herauszog.
5 Und Abram nahm Saraj, seine Frau, und Lot, den Sohn seines Bruders, und mit aller Habe, die sie erworben, und mit allen Seelen, die sie erhalten hatten in Haran; und sie zog aus, um ins Land Kanaan zu gehen, und sie kamen ins Land Kanaan.
6 Da durchzog Abram das Land bis zum Ort Sichem, bis zur Seher-Terebinthe4, und die Kanaanäer5 waren in diesem Land.
7 Da ließ sich Jahwe von Abram sehen, und er sprach: Deinem Samen will ich geben dieses Land, und er baute dort einen Altar für Jahwe, der ihm erschienen war.
8 Und er rückte weiter von dort ins Gebirge östlich von Beth-El und spannte Zelte6 auf zwischen Beth-El im Westen und Ai im Osten, und dort baute er einen Altar für Jahwe und er rief den Namen Jahwe an.
9 Und Abram brach auf6 und ging fortwährend aufbrechend7 nach Süden.

Fußnoten

1 לֶךְ־לְךָ Die Präposition לְ färbt das Verb „gehen“ in besonders affektiven bzw. gefühlsbetonte Weise, wie „geh doch!“. Siehe auch unter der Rubrik hebräische Partikel nach.
2 Die Bestimmung von אַרְאֶךָּ ist 1. s. PK/ energ.hi. ראה mit Suff. 2. m. s. dabei darf das dagesch forte nicht übersehen werden. Zwar ist die Bedeutung, jemanden etwas ersehen lassen, veraltet, aber es meint auserwählen.
3 בֶּן־חָמֵשׁ שָׁנִים וְשִׁבְעִים שָׁנָה Der hebräische Begriff /ben/ „Sohn“ macht hier eine Altersangabe eines Mannes. Vgl. auch 1.Mo 4,17, Joseph, ein Sohn Jakobs, der ihm im hohen Alter geboren wurde: בֶּן־זְקֻנִים.
4 Seher-Baum, Seher-Eiche, Seher-Terebinthe
5 hebr. sing. Kollektivum
6 Das Verb נטה (Vers 8), was „ausspannen“ bedeuten kann, steht vor אהלה, was „Zelten“ bedeutet. Ein Zelt wird mit einem Seil an Pflöcken festgespannt. Wird das Zelt abgerissen, werden die Pflöcke ausgerissen נסע (Vers 9) und man bricht auf.
7 „Immer weiter/ fortwährend aufbrechend“ ergibt sich aus der Konstruktion: finites Verb mit inf. abs. הָלֹוךְ וְנָסֹועַ. Im Text ist diese Konstruktion als iterativ zu verstehen, da sich ein Ereignis punktuell über eine längere Zeit wiederholt, nämlich das Aufbrechen.

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