Bibelbetrachtungen/Heb. in 53 Tagen/42. Tag Verben

Hebräisch in 53 Tagen

Tag 42b von 53 Tagen, vom 14. Nov. bis 20. Dez 2025, besondere Verben

🌟 Primae gutturalis

Primae gutturalis sind Verben, deren erster Wurzelkonsonant ein Guttural (א, ה, ח, ע) oder ר ist.
PK (Präformativkonjugation = Imperfekt): Die Form wird durch einen Präformativvokal und den Stammvokal bestimmt.
Qal PK mit /o/:
🔸Bei starken Verben mit Stammvokal /o/.
🔸Historisch stammt dieses /o/ aus einem ursprünglichen /u/.
Qal PK mit /a/:
🔸Bei starken Verben mit Stammvokal /a/.
🔸Historisch stammt dieses /i/ aus einem ursprünglichen /ä/.

Der N-Stamm wird durch ein Präformativ נ gekennzeichnet.
🔸Beim starken Verb wird dieses Nun im PK assimiliert, d. h. es verschmilzt mit dem folgenden Konsonanten und verschwindet als eigener Laut.
Die Folge daraus ist, dass die Verdoppelung des ersten Wurzelkonsonanten die Assimilation anzeigt. Da die Verdoppelung bei bestimmten Konsonanten (z. B. Gutturale, Resch) nicht möglich ist, tritt eine Ersatzdehnung des Vokals ein. Ein Bsp.: יֵאָסֵף

📝 Zusammenfassung:
Gutturale beeinflussen die Vokalisation, oft durch Aufsprengung oder Anpassung.

Morpho-logisches WortWurzelZuordnung
(Primae gutturalis)
Übersetzung
יֶחְכַּםחכם Qal 3. Person Singular maskulin PKGrundbedeutung: „er wird weise / er wird einsichtig“.
Die Übersetzung „weise sein“ passt für eine Imperfektform nicht ideal; treffender ist „einsichtig/weise werden“.
Damit beschreibt die Form den Weg zur Weisheit. Beleg: Sprüche 20,1.
יַחֲמֹדחמדQal 3. Person Singular maskulin PK Grundbedeutung: „Er wird begehren.“
Wegen der Primae gutturalis wurde das Schwa im Gutturalkonsonanten zu einem Vollvokal erweitert. Dies ist die weiche Variante, die harte Form wäre יַחְמֹד.
Diese seltene Form von חמד begegnet uns nur in 2Mo 34,24. Dort wird ein zukünftiger Zustand beschrieben: Kein Feind wird das Land Israel als sein Eigentum begehren. Ein solcher Zustand war bisher nie dauerhaft; kurze Phasen der Geschichte lassen jedoch erahnen, wie es in einer kommenden Epoche sein wird.
Wenn kein Feind mehr begehrt, beginnt die Ruhe des Landes.
Beitrag auf Bibelkreis.ch: Er wird begehren.
יַחְשׁבֹחשׁב Qal 3. Person Singular maskulin PK Grundbedeutung: „Er wird anrechnen / achten für / halten für / denken / planen.“
In 1Mo 15,6 begegnet uns die Narrativform וַיַּחְשְׁבֶהָ, eingeleitet durch ein Waw-consecutiv mit Dagesch forte im Jod.
In Ps 32,2 steht יַחְשֹׁב in der gesuchten Form: Dem, der zum lebendigen Gott umkehrt, wird die Schuld nicht mehr zugerechnet – auf Grund des Erlösungswerks des Herrn Jesus, der diese Schuld getragen hat.
יִכְבַּּדכבד Qal 3. Person Singular maskulin PK Grundbedeutung: „Er wird zu schwer sein.“
In Hiob 6,3 und 33,7 ist eine solche Form zu finden.
Merksatz: „Die Last wächst, bis sie zu schwer wird – und dann erkennt der Mensch die Grenze seiner Kraft. Die Aussprüche Gottes hingegen sind führ ihn keine Last.“
נֶאֶסַףאסףNifal Partizip Singular maskulin Grundbedeutung: „er wird/ist versammelt“.
Die verbale Adjektivform verlangt im Deutschen eine Person, im Hebräischen jedoch nicht.
Übertragene Verwendung: „Versammeltwerden“ im Sinn von „heimgehen, zu den Vätern versammelt werden“ = sterben (vgl. Genesis 49,29).
יֵאָסֵףאסףNifal 3. Person Singular maskulin PK Grundbedeutung: „er wird versammelt werden“.
Es handelt sich um ein finites Verb im Nifal‑Stamm, das im Gegensatz zum Partizip die Person ausdrücklich angibt.
Beleg: In Exodus 9,19 wird gesagt, dass derjenige „weggenommen/versammelt werden“ wird, der das Feld nicht verlässt. Der Hagel tötet also den, der sich nicht in Sicherheit bringt.
הֶעֶמִידעמדHifil 3. Person Singular maskulin AK Grundbedeutung: „er hat hinstellen / aufstellen / einstellen lassen“.
Der Hifil hat die Modifikation der Veranlassung, die innere Differenzierung ist aktiv. Belege: David und später Joschafat stellten Leviten für den Dienst ein (1. Chr 6,16; 2. Chr 19,8). Dies bezeichnet einen aktiven Erlass, der abgeschlossen ist: „er ließ anstellen“.
יַעֲמִידעמדHifil 3. Person Singular maskulin PK Grundbedeutung: „er wird hinstellen / aufstellen / einstellen lassen.“
In erzählenden Texten begegnet die Form in der Narrativfunktion. So erscheint die Gottheit in der Theophanie als Wolkensäule hinter Israel, und der Engel Gottes wird vor Israel „aufgestellt“ (2Mo 14,19).
In 2Mo 21,21 steht die Yiqtol-Form in einem imperativischen Kontext.

🌟 Mediae gutturalis

Verba mediae gutturalis zeigen Besonderheiten vor allem im D-Stamm, weil hier der mittlere Radikal verdoppelt werden sollte. Bei Gutturallauten und bei ר ist eine Verdoppelung jedoch nicht möglich.
In vielen Fällen bleibt die Vokalisierung unverändert im Vergleich zum normalen Verb. In einem solchen Fall spricht man von einer virtuellen Verdoppelung.
Häufiger tritt jedoch eine Ersatzdehnung auf.

Im D-Stamm (Piel) wird die Verdoppelung des mittleren Wurzelkonsonanten durch eine Anpassung der Vokalisation ersetzt. Typische Längungen sind:
🔸 i → e
🔸 u → o
🔸 a → ā

📝 Zusammenfassung:
Bei Verba mediae gutturalis wird die Verdoppelung im D-Stamm durch Vokaländerung ersetzt, oft mit typischen Längungen.

Morpho-logisches Wort Wurzel Zuordnung (Mediae gutturalis) Übersetzung
בִּעַרְתָּ בער Piel 2. Person Singular maskulin AK Grundbedeutung: „du hast ausgerottet / du hast beseitigt“. In der Bibel erscheint diese Form meist mit Waw‑Konsekutiv (וּבִעַרְתָּ) und wird im Kontext als Aufforderung oder Gebot verstanden: „du sollst ausrotten / du sollst beseitigen“. Beispiel: In 5Mo 19,19 soll Israel das Böse aus seiner Mitte verbannen.
בֹּרַךְ ברך Piel 3. Person Singular maskulin AK Grundbedeutung: „segnen, preisen“. Die Nominalform בֶּרֶךְ bedeutet „Knie“ (vgl. Jesaja 45,23: „vor mir wird jedes Knie sich beugen“).
יְמָאֵן מאן Piel 3. Person Singular maskulin PK Grundbedeutung: „sich weigern, nicht wollen“. Das Verb erscheint ausschließlich im Piel, der faktitiv‑intensivischen Stammform. Sie verstärkt die Handlung und markiert ein bewusstes, aktives und fortgesetztes Verweigern. Typisch begegnet יְמָאֵן in der Waw‑Konsekutivform (וַיְמָאֵן), z. B. in 1. Mo 37,35. Nur in 2. Mo 22,16 (LHB) steht יְמָאֵן als Yiqtol ohne Waw und kommt so nur einmal vor. Im Beispiel muss der Mann den Brautpreis bezahlen, auch wenn der Vater die Braut verweigert. Hier zeigt sich, dass die Verweigerung des Vaters stärker wiegt, als das Verlangen des Mannes.
מֵאֵן מאן Piel 3. Person Singular maskulin AK Grundbedeutung: „er hat sich verweigert“. Der Stamm mit seiner Modifikation und Differenzierung entspricht dem oben beschriebenen: faktitiv‑intensivisch, aktiv und fortgesetzt. Das erste Vorkommen findet sich in 2. Mo 7,14 und deckt die Herzenshaltung des Pharaos auf. Sein verstocktes Herz führt zur Verweigerung. Gott kennt die Herzen der Menschen und sieht, wie er sich weigern wird, auch wenn es noch nicht geschehen ist. Dies ist kein Hinweis auf Vorherbestimmung, sondern auf Vorhererkennen.
מְצַחֵק צחק Piel Partizip aktiv Singular maskulin Grundbedeutung: „lachen / scherzen / spotten“. Die Piel-Partizipform begegnet in der Bibel zweimal, jeweils mit unterschiedlicher Nuance. In1.Mo 21,9 ist von einem bösen „Spott“ die Rede, während in 1.Mo 26,8 das „Scherzen“ zwischen Liebenden beschrieben wird.

🌟 Tertiae gutturalis

Verba tertiae gutturalis zeigen Besonderheiten vor allem dann, wenn die Formbildung auf einen Gutturallaut endet.
Ist der Vokal der letzten Silbe in solchen Fällen nicht /a/, so tritt zwischen diesem Vokal und dem Gutturallaut ein פַּתַח furtivum.
Die Vokale /i/, /u/ und /o/ werden dabei nicht vollständig durch /a/ verdrängt, sondern in Richtung /a/ umgetönt.
Der Vokal /e/ hingegen wird oft vollständig durch /a/ ersetzt.
Es gibt jedoch auch Formen, in denen /e/ erhalten bleibt; dann tritt zusätzlich ein פַּתַח furtivum hinzu (z. B. in Pausalformen oder im Status absolutus bei Nominalformen).

📝 Zusammenfassung:
Bei tertiae gutturalis beeinflusst der End-Guttural die Vokalisation: häufig durch Umfärbung oder Hinzufügung eines Patach furtivum.

Morpho-logisches WortWurzelZuordnung
(Tertiae gutturalis)
Übersetzung
יִזְכֹּרזכרQal 3. Person Singular maskulin PK Grundbedeutung: „er gedenkt“.
In den meisten Fällen erscheint die Form als וַיִּזְכֹּר (PK + Narrativ):
• 2. Mose 2,24 – Gott gedachte seines Bundes mit Israel.
• 1. Mose 8,1 – Gott gedachte der Menschen und Tiere in der Arche.
Besonderheit: In Hosea 8,13 begegnet יִזְכֹּר als reine PK‑Form. Der Vers zeigt, dass Gott auch der Sünden gedenkt, wenn die Menschen nicht umkehren.
וַיִּשָּׁבַעשׁבעNifal 3. Person Singular maskulin mit Narrativ Grundbedeutung: „geloben / schwören“.
Die Nähe zur Zahl sieben ist unverkennbar. Sieben gilt als vollkommene Zahl: sie lässt sich nicht in zwei gleiche Teile zerlegen und wird in der Bibel häufig in die Komponenten 3 und 4 aufgeteilt. Diese Vollkommenheit zeigt sich nicht nur im Guten, sondern auch im Bösen. Ebenso verhält es sich mit dem Schwören: Der Mensch vermag seine Gelöbnisse nicht einzuhalten, was ins Böse führt. Nur Gott hält seine Schwüre, denn er kennt die Zukunft. Den Zusammenhang zwischen „Schwören“ und der Zahl sieben verdeutlicht auch Abraham – vgl. Beerseba in 1Mo 21,30f.
Ein Bibelkreisvideo: Schwur & Sieben
יְשַׁלַּחשׁלחPiel 3. Person Singular maskulin AK Grundbedeutung: „er wird ziehen lassen“.
Diese Form begegnet häufig in der Bibel. Gott handelt, damit der Pharao das Volk Israel ziehen lässt (vgl. 2. Mose 3,20).
Die Piel-Form verstärkt das Bewirken: nicht nur „gehen lassen“ wie im Qal, sondern aktiv „jemanden ziehen lassen / entlassen“.
Gottes Wille ist, dass alle zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und gerettet werden (vgl. 2Tim 3,16). Doch wenn der Mensch diese Wahrheit ablehnt, lässt Gott es zu.
הִשְׁמִיעַשׁמעHifil 3. Person Singular maskulin AK Grundbedeutung: „er hat hören lassen“.
Ein idealer Beleg ist 2Kön 7,6: Eine Heeresmacht belagert eine Stadt in Israel. Gott bewirkt, dass das Heer der Aramäer ein Getöse von Rossen und Streitwagen hört. Die Aramäer vermuten eine große Streitmacht aus Ägyptern und Hethitern und fliehen Hals über Kopf, lassen selbst ihre Wertsachen zurück. Zum Beitrag
לִשְׁמֹעַשׁמעQal Construct Infinit Grundbedeutung: „um zu hören“.
Salomo war sehr weise. Alle Könige der Erde kamen zu ihm, um seine Weisheit zu hören (vgl. 2Chr 9,23)
Qal drückt hier die einfache Grundbedeutung „hören“ aus, ohne kausative oder intensive Tönung.
שָׁמוּעַשׁמעQal Nomen maskulin Absolutus Als Eigenname ist das Mem verdoppelt (Dagesch forte), daher die Transkription Schammua. Er gehört zu den Kundschaftern in 4Mo 13,4.
Als Nomen mit zusätzlicher Femininendung (-ה) lautet die Form שְׁמוּעָה. Die Bedeutung ist dann „Gerücht, Nachricht“ – etwas, das man hört (vgl. Jer 49,14).
Als Nomen ohne Endung – wie in diesem Fall – bedeutet es „das Gehörte“.
Die Nominalisierung folgt dem Muster qatul, das häufig ein Ergebnis oder Zustand ausdrückt („das Gehörte“).
וַיַּשְׁמַעשׁמעQal 3. Person Singular PK mit Narrativ Grundbedeutung: „und er hörte“.
Diese Form gehört zum wayyiqtol-Typ (oft als „Imperfekt consecutiv“ bezeichnet) und dient typischerweise als Erzählungseinleitung im biblischen Hebräisch. Sie verbindet die Handlung mit dem vorhergehenden Kontext und leitet eine neue Szene ein.
שֹׁמֵעַשׁמעQal Partizip maskulin Absolut Grundbedeutung: „hörend, gehorchend“, „einer, der hört/gehorcht“.
Das Partizip beschreibt einen Zustand oder eine Eigenschaft.
Wird es negiert (לֹא שֹׁמֵעַ), bedeutet es „ungehorsam“.
In 5Mo 21,18–21 wird konkretisiert, was in 2Mo 20,12 („Ehre Vater und Mutter“) gefordert wird (vgl. Jes 65,20 für die Segensperspektive).
Bemerkenswert ist das Minimalpaar in 5Mo 21,18: Dort begegnet das Partizip שֹׁמֵעַ („hörend“) zusammen mit Imperfektformen, was die Spannung zwischen dem fortgesetzten Zustand (Partizip) und der Handlung (Imperfekt) deutlich macht.
Anwendung:
Gott ist unser Schöpfer – seien wir ihm gehorsam an dem Tag, an dem er uns ermahnt. Denn er hat uns den Retter gesandt, damit wir vom Tod ins Leben übergehen können (vgl. Joh 5,24; 1Joh 3,14; Rö 6,23; 2Tim 1,10).

Nach dem Tag 42 wird Tag 18 wiederholt: Zum 18. Tag wechseln.

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